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Wir wachsen weiter, unsere Struktur muss es auch

Der WBV zählt fast 11.000 Spiele pro Jahr, immer mehr neue Vereine melden sich an. Präsident Uwe J. Plonka über eine Strukturreform, den Saisonstart und den Bundestag 2027 in Münster.

Fast 11.000 Spiele in einem Jahr. Und jeden Sommer kommen neue Vereine dazu. Für einen Landesfachverband ist das eine Nachricht, über die sich andere freuen würden. Uwe J. Plonka freut sich auch – und legt im selben Atemzug die Kehrseite offen.

„Wir wachsen schneller, als unsere Struktur mitkommt“, sagt der WBV-Präsident. Eine ehrenamtliche Struktur muss diese Last mittragen. Auf der Klausurtagung Ende Juli hat das Präsidium deshalb an einer Antwort gearbeitet.

Eine Geschäftsführung mit echten Vollmachten

Der WBV möchte künftig zur Entlastung der Ehrenamtlichen den Geschäftsführer zum besonderen Vertreter nach § 30 BGB machen. Zwar sieht die Satzung einen Geschäftsführer vor, aber derzeit als eher Titulargeschäftsführer. Künftig soll die Geschäftsführung mehr selbst entscheiden. Dazu müssen die Mitglieder die Satzung ändern.

NACHGEFRAGT

Frage: Warum reicht die bisherige Konstruktion nicht mehr?

Plonka: Nach unserer Satzung ist der Präsident oberster personalverantwortlicher Vorgesetzter. Jeder Vertrag, jede Personalfrage läuft über seinen Tisch. Das war machbar, solange wir weniger Personal hatten. Heute liegt die letzte Entscheidung meistens beim Präsidenten. Anfragen haben sich aufgrund des Volumens des Verbands vervielfacht. Und die Geschäftsstelle sagt völlig zu Recht: Wenn wir das allein erledigen sollen, brauchen wir auch mehr Vollmachten. Genau die schafft § 30 BGB.

Frage: Stand ein hauptamtlicher Vorstand nach dem Vorbild des Landessportbundes ebenfalls zur Debatte? Ist das vom Tisch?

Plonka: Wir haben es durchgerechnet. Der Verband bräuchte einen hohen fünf- bis sechsstelligen Eurobetrag im Jahr, um so etwas umzusetzen. Dieses Geld hätten wir nur über höhere Beiträge von den Mitgliedern zur Verfügung. Stell dir vor, ich sage den Mitgliedern auf dem Verbandstag: Wir stellen uns anders auf, und ihr müsst mehr bezahlen. Du weißt selbst, das wäre keine einfache Diskussion. Mit der Geschäftsführung nach § 30 BGB und mehr Vollmachten in der Geschäftsstelle würden wir einiges abfedern, natürlich werden auch da mehr Kosten anfallen. Das wäre aber vernünftig, und ich bin sicher, das kriegen wir hin, ohne den Vereinen zu stark in die Tasche zu greifen.

Die Juristen des Landessportbundes begleiten das Verfahren und halten die Konstruktion nach einer Vorprüfung für satzungsrechtlich zulässig, sofern die Mitglieder zustimmen. Im Oktober folgt das erste Beratungsgespräch mit zwei Fachjuristen. Anschließend geht die Stelle in ein Ausschreibungsverfahren. Der Verbandstag entscheidet.

Zur Größenordnung, um die es geht: Der Verband hat über 1 Million Euro Umsatz. Für den Präsidenten fallen durch Besuche, Repräsentationen und Tagungen viele Stunden und gefahrene Kilometer an. Die vergangenen zwölf Monate waren phasenweise mit 30 bis 35 Wochenstunden heftig. Ehrenamtlich, aber auch gerne und für den Verband und die schönste Sportart der Welt.

NACHGEFRAGT

Frage: Sieben Vizepräsidentinnen und Vizepräsidenten – ein Argument für Kritik an der Struktur?

Plonka: Die Frage ist berechtigt, und wir haben sie auf der Klausurtagung gestellt. Meine Antwort bleibt: Ohne diese ehrenamtlichen Fachbereiche und ohne unsere Spielleitungen müssten wir die Arbeit bei Dienstleistern einkaufen. Das kann sich kein Verband erlauben. Bei fast 11.000 Spielen im Jahr trägt die ehrenamtliche Struktur den Laden. Und die Fachbereiche Bildung, Breitensport und Schule (Inklusion), Finanzen, Schiedsrichterwesen und Spielbetrieb/Sportorganisation leisten alle sehr viel. Die Jugend ist mit dem Jugendausschuss etwas breiter aufgestellt. Aber wir wollen das Thema, wie auf dem letzten Verbandstag vorgetragen, mit den Mitgliedern diskutieren und freuen uns auf gute Vorschläge.

Das Präsidium bleibt zusammen

In der Personalfrage einigte sich das Präsidium schnell. Nahezu alle Präsidiumsmitglieder haben ihre Bereitschaft erklärt, über den Wahlverbandstag 2027 hinaus weiterzumachen. Auch Plonka selbst plant eine erneute Kandidatur – anders, als er es ursprünglich vorhatte.

NACHGEFRAGT

Frage: Du wolltest 2027 eigentlich aufhören.

Plonka: Das stimmt. Ich hatte eine vorsichtige Planung, dass 2027 jemand anders übernehmen könnte. In der jetzigen Phase, in der wir so viel verändern, wäre ein Wechsel aber der falsche Zeitpunkt. Auf der Klausurtagung hat sich das Präsidium dafür ausgesprochen, dass alle ehrenamtlichen Präsidiumsmitglieder weitermachen wollen. Es gibt noch kleine Unsicherheiten. Wenn die Mitglieder es wollen, mache ich weiter – und zwar ausdrücklich als letzte Legislaturperiode. Bis 2030 müssen die Struktur des Präsidiums und die Nachfolge stehen.

Zuspruch kommt von mehreren Seiten. Der Deutsche Basketball Bund verweist auf Kontinuität beim größten Landesverband, der Landessportbund ebenfalls. Dort begleitet Plonka inzwischen vier Arbeitsgruppen. Der Ruf des Basketballs im nordrhein-westfälischen Sport, sagt er, sei mittlerweile außerordentlich gut.

Saisonstart steht bevor

Mit dem Ferienende beginnt der Ernstfall. Pokal und Ligabetrieb starten, die Anfragen an die Geschäftsstelle nehmen sprunghaft zu. Beim ersten Regionalliga-Treffen stand das Scouting-System auf der Tagesordnung. Vizepräsident Lothar Drewniok machte mehrere Vorschläge: Verschiedene Modelle wurden diskutiert und demnächst wird entschieden, welches System es wird oder ob es bei NBN23 bleibt. Wichtig ist, dass die Vereine und Anschreibetische reibungslos damit arbeiten können. Die Kosten spielen natürlich auch eine Rolle.

Eine weitere Neuerung betrifft die 2. Regionalliga: Videoaufnahmen der Spiele halten dort jetzt ebenfalls Einzug. Mit den Aufsteigern erwartet Plonka wieder eine starke 1. Regionalliga West.

Jünger, weiblicher: das Schiedsrichterwesen

Ende August besuchte der Präsident die Schiedsrichterfortbildung der 1. Regionalliga in Duisburg. Sein Befund fällt eindeutig aus.

NACHGEFRAGT

Frage: Was hat sich dort verändert?

Plonka: Wir sind wirklich jünger geworden. Das merkt man sofort, wenn man die Entwicklung über die Jahre verfolgt. Und Frauen waren ebenfalls dabei. Vor einigen Jahren sah ein solcher Lehrgang komplett anders aus.

Das Gegenstück zum Wachstum bleibt allerdings ungelöst: Vereine führen Wartelisten für Kinder, weil Hallenzeiten fehlen. Schulen belegen die Sporthallen bis 16 Uhr, erst danach kommt der Vereinssport zum Zug. Basketball ist zudem vollständig auf Hallen angewiesen und kann nicht ausweichen. Plonka hat das Thema bei Ministerpräsident Hendrik Wüst angesprochen. Bekannt ist es dort längst.

Ausblick: Bundestag 2027 in Münster

Am 19. und 20. Juni 2027 richtet der WBV den Bundestag des Deutschen Basketball Bundes in Münster aus. Die Vorbereitung läuft an. Plonka hat sich bereits Locations für die Abendveranstaltung angesehen und plant ein besonderes Format, über das er noch nichts verrät. Eine Einladung ist raus: an Ministerpräsident Hendrik Wüst. Der hat erst einmal zugesagt.

NACHGEFRAGT

Frage: Was nimmst du dir für Münster vor?

Plonka: Wir werden ein guter Gastgeber sein. Das ist mir wichtig. Basketball begeistert die Leute gerade, das spürst du überall – und diese Stimmung wollen wir nach Münster tragen.

Im Herbst berichtet das Präsidium den Mitgliedern auf einer digitalen Mitgliederkonferenz über den Stand der Dinge.

Die Fragen stellte WBV-Pressesprecher Rüdiger Tillmann.